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Ist Resilienz trainierbar oder erlernbar?

Autor: Dr. Wafi Al-Baghdadi
aktualisiert am 28. April 2021

Resilienz definiere ich mit der gezielten Stärkung des Immunsystems der Psyche und damit der inneren emotionalen Kraft. Meine Kernbotschaft lautet: „Das innere Machtgefühl über die eigenen Emotionen aufbauen und so souverän handlungsfähig bleiben“.

Resilienz ist somit die gezielte Stärkung des emotionalen Immunsystems und damit der inneren emotionalen Kraft. Sie ermöglicht es, Extremsituationen durchzustehen ohne Schaden zu nehmen.

Auch Sie können resilient(er) werden, denn Resilienz ist erlernbar.

Der folgende Beitrag enthält keine Theorien oder Appelle, die manchmal schwer zu befolgen, sondern praktische Hilfsmittel und Maßnahmen, die Ihnen helfen Ihre Resilienz zu trainieren.

Psychische Belastungen, privat oder beruflich, andauernde Stresssituationen, ständiger Zeit- und Leistungsdruck, Mobbing und andere Krisen verlangen uns viel ab: Stressresistenz, innere Widerstandsfähigkeit und ein starkes emotionales Immunsystem. Hier ist Resilienz nicht nur erwünscht, sondern dringend erforderlich.

Durch ein proaktives, gut geplantes und intensives Training ist es möglich, die Macht über die eigenen Emotionen zu erlangen und souverän handlungsfähig zu bleiben. Hierfür gibt es zwei Wege:

Selbst-Coaching

Ein bewusst durchgeführtes Selbst-Coaching, in dem Sie bestimmte Programme durchführen, um eigene Resilienz authentisch und aktiv zu stärken. Wichtigste Voraussetzung hier ist der wirkliche und echte Wille, den eigenen Zustand zu verändern. So können folgende Maßnahmen helfen, z. B. um Depression und Burnout zuvorzukommen:

Nein zu sich selbst trainieren

Sie trainieren in relativ leichten und überschaubaren Situationen das NEIN zu sich selbst. Hier handeln Sie bewusster, ihr Verhalten anders zu lenken. Verspüren Sie in bestimmten Situationen den Drang, bei sich „faule Kompromisse“ zuzulassen, muss Ihre Reaktion lauten: NEIN! Oder: NEIN, nicht mehr mit mir!

Ein Beispiel: Sie neigen wegen der Arbeitsüberlastung dazu, ständig Überstunden zu machen und/oder Sie nehmen Arbeit mit nach Hause. Das führte bislang zu Stress und Belastung des privaten Lebens. Hier sollten Sie von sich selbst fordern: NEIN! Dieses Verhalten stoppe ich jetzt. Sukzessiv ändern Sie Ihre innere Einstellung, lernen und erproben eine neue Haltung.

Ein weiteres Beispiel im privaten Bereich: Sie wollten eigentlich schon immer eine bestimmte Art Sport treiben, z. B. Joggen, Schwimmen, Wandern oder den Besuch eines Fitness-Centers. Bis jetzt suchten Sie immer nach banalen Fluchtstrategien, um das, was Sie sich vorgenommen haben, doch nicht ausführen zu müssen. Ab sofort vereinbaren Sie mit sich selbst ein Programm, das Sie auch einhalten. Zum einen trainieren Sie die Stärkung Ihrer Selbstdisziplin, zum anderen stärken Sie die eigene Resilienz.

Dieser Prozess kann auch durch einen Freund oder Lebenspartner unterstützt werden, eine Hilfe, die in diesen Veränderungsprozess eingebunden ist. In diesem Zusammenhang sind Offenheit und Vertrauen eine bedeutende Basis für den angestrebten Erfolg dieser Maßnahmen.

Die wichtigste Voraussetzung, solche Übungen und solches Training konsequent zu absolvieren und erfolgreich eigenes emotionales Immunsystem zu stärken, ist Ihr echter und starker Wille – Faule Kompromisse sind zu vermeiden.

Das Lesen geeigneter Literatur

Lesen Sie Bücher, Fachartikel, Blogbeiträge. In diesem Zusammenhang empfehle ich Ihnen, realistisch umsetzbare Ideen zu notieren und als Maßnahmen für Ihre Veränderungsprozess zu verfolgen.

Auch hier ist eine gestärkte Selbstdisziplin wichtig, um anwendungsbezogene Hilfsmittel konsequent umzusetzen.

Der Besuch von Veranstaltungen

Besuchen Sie eigenständig und proaktiv Veranstaltungen wie Konferenzen, Seminare oder Webinare.

Eigenes Zeitmanagement überdenken und optimieren

Sie nehmen sich vor, alle zu erledigenden Aufgaben in einen Themenspeicher zusammenzunehmen, eine optimale Tagesplanung zu erstellen und geeignete Prioritäten zu setzen. Mit dem Tagesrückblick überprüfen Sie die Schwachstellen Ihres Verhaltens. Sie korrigieren die negativen Ansätze. Ich empfehle Ihnen hier, sich zunächst nur ausschließlich realistische und von Ihnen wirklich umsetzbare Ziele zu bilden und zu verfolgen.

Anti-Stress-Übungen

Machen Sie von zahlreichen Anti-Stress-Übungen Gebrauch. Hierzu zählen z. B. progressive Muskelentspannung, Überkreuz-Übung (im Stehen berühren Sie für eine Minute die rechte Hand mit dem linken Knie und umgekehrt), Autogenes Training und Yoga. Zahlreiche nützliche Informationen können Sie im Internet finden. Für Yoga gibt es seriöse Angebote mit dem Ziel, die psychische Belastung und den Stress zu reduzieren.

Mit diesen Ideen, innere, bewusste und unbewusste Schutzfaktoren Ihres emotionalen Systems zu generieren, können Sie Belastungen schon sehr gut bewältigen und sukzessiv resilient(er) werde.

Unterstützung suchen, um Ihre Resilienz zu trainieren

Sehr oft ist die Mitwirkung eines externen Coaches hilfreich. Dem Coach gelingt es, dem Klienten die Schwachstellen seines Verhaltens bewusster zu machen, um anschließend einen gemeinsam erarbeiteten Maßnahmenplan Stück für Stück umzusetzen. Folgende Aspekte können im Rahmen des Coachings in Betracht gezogen werden:

Eigenen Werte und die sog. „hindernden Glaubenssätze bzw. Denkmuster“ hinterfragen

Sie fragen sich: „Wieso akzeptiere ich Situationen, die mir Stress, Belastungen und Leistungs- bzw. Zeitdruck verursachen? Warum toleriere ich mein Verhalten, das mir emotionalen Schaden zufügt? Wer oder was hindert mich daran, so zu handeln, dass ich meine innere Stärke zeigen kann?“ Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen führen zur Präzisierung der eigenen hindernden Denkmuster und Reduzierung ihrer potenziellen Schäden.

Konstruktives NEIN

Zu Personen, die den Stress oder die Belastung verursachen, vom konstruktiven NEIN Gebrauch machen. Hier gilt es, das bisherige Handeln zu verlassen und ein höfliches, aber bestimmtes Nein anzubringen – da wo es machbar ist. Es ist oft möglich, dem Vorgesetzten einmal ein NEIN entgegen zu setzen. Sie sollten jedoch die Gründe erklären oder Alternativen vorbringen.

Ursprung der Überforderung erkennen

Beim Gefühl der Überforderung ist es wichtig zu wissen, warum dieses Gefühl entsteht. Liegt es an der eigenen Arbeitsstruktur, die anders organisiert und aufgebaut werden muss? Liegt es wirklich am Volumen, das realistisch gesehen in der angestrebten Zeit nicht zu erledigen ist? Diese und ähnliche Fragen können mit folgenden Hilfsmitteln sehr gut beantwortet werden: Das konstruktive Nein, Anwendung der ABC-Analyse und das nach optimalen und effizienten Kriterien Bestimmen der (Tages-) Prioritäten.

Resümee

Resilienz ist ein Justierungsprozess an Ihrer „Persönlichkeitsschraube“, in dem Sie an Ihren hindernden Denkmustern anders „drehen“. In Krisen und bei gefühltem Druck und Stress handeln und reagieren Sie flexibel, kreativ und vor allem souverän. Erzielte Erfolge in der Umsetzung Ihrer Resilienz-Maßnahmen potenzieren den Mut, noch mehr auszuprobieren und noch resilienter zu werden. Schicksalsschläge werfen Sie nicht so schnell um, Stress perlt an Ihnen ab. Sie selbst erwirken eine Stärkung Ihres emotionales Immunsystems

Resilienz ist also trainierbar bzw. erlernbar.

Wichtige Anmerkung: Frauen habe ich immer gefördert. Um dennoch den Lesefluss in meinen Beiträgen zu gewährleisten, verwende ich an entsprechenden Stellen die männliche Form. Selbstverständlich schließe ich auch meine wertgeschätzten Leserinnen mit ein.

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Autor: Dr. Wafi Al-Baghdadi
PCC™-zertifizierter Business-Coach, ihr Experte für die Themen Resilienz, Zeit- und Selbstmanagement

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