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Selbstdisziplin: Konsequenz ist trainierbar

Autor: Dr. Wafi Al-Baghdadi
aktualisiert am 16. Februar 2022

Den inneren Schweinehund überwinden

Das Problem

Führungskräfte und Mitarbeiter klagen heute vielfach über mangelnde bzw. fehlende Selbstdisziplin. Es gelingt nicht, wichtige Kern- und Schlüsselaufgaben rechtzeitig zu erledigen, den Tag effizient zu gestalten und einen angemessenen Grad an Zufriedenheit zu gewinnen: Der innere Schweinehund hat seine Pfoten im Spiel. Mangelnde oder fehlende Selbstdisziplin hindert uns daran, wirklich erfolgreich zu sein.

Sehr oft leiten wir Veränderungen erst dann ein, wenn der Leidensdruck zu hoch wird oder die Schmerzgrenze erreicht ist: Unsere Handlungen laufen aus dem Ruder. Erfolgen gewünschte Veränderungen verspätet oder zu einem ungeeigneten Zeitpunkt, bleiben das erhoffte Ergebnis und der erwünschte Erfolg aus. Erkennen wir dagegen für uns selbst die Notwendigkeit einer bestimmten persönlichen Veränderung, verlassen dadurch rechtzeitig die so genannte Komfortzone und leiten entsprechend geeignete Maßnahmen ein, steht dem angestrebten und erwarteten Erfolg nichts mehr im Weg.

Eine der Biologie entnommene Metapher verdeutlicht, warum man rechtzeitig ein Gefühl der Dringlichkeit für den Umgang mit dem inneren Schweinehund entwickeln sollte und nicht erst dann, wenn erhebliche Nachteile aus dem kontraproduktiven Verhalten entstanden sind: Ein Frosch bemerkt die Veränderungen in seiner Umwelt bekanntermaßen nicht. Man könnte einen Topf mit Wasser füllen, den Frosch hineinsetzen und das Wasser anschließend langsam erhitzen. Während die Temperatur langsam ansteigt, springt der Frosch nicht etwa aus dem Wasser, sondern bleibt ruhig darinsitzen; er fühlt sich zunächst wohl, doch bald kann er nicht mehr reagieren.

So kann sich mangelnde Selbstdisziplin ausdrücken

Kennen Sie das?

  • Keine Lust auf Erstellung einer Tagesplanung („Bringt ja sowieso nichts“).
  • Eine mühsam erstellte Tagesplanung wird trickreich umgangen.
  • Prioritäten werden spontan verschoben.
  • Pflege der „Aufschieberitis“: Aufgaben werden angefangen, ständig unterbrochen und nicht zu Ende geführt.
  • Keine Lust, den Arbeitsplatz aufzuräumen.
  • Ein überhäufter Schreibtisch und ein schlechtes Ablage- und Wiedervorlagesystem.
  • Unentschlossenheit.

Ohne Veränderung geht es nicht

Zur besseren Kontrolle der eigenen Selbstdisziplin und um eine geeignete Veränderung des individuellen Verhaltens rechtzeitig einleiten zu können, müssen wir uns zunächst eine innere Einstellung aneignen, die diese Verhaltensänderung fördert und ein Verlassen der Komfortzone ermöglicht. Ein Wandel der inneren Einstellung und des eigenen Wertesystems ist mit den Prinzipien, Grundsätzen und dem Empfinden von dem, was „wichtig“ und „richtig“ ist, stark verbunden. Sind wir - bewusst oder unbewusst - der inneren Überzeugung „Es geht auch wie bisher; es geht doch so“, ist keine Einsicht zu erwarten, das Verhalten zu ändern, besser zu planen oder konsequenter zu handeln. Weder vom Bewusstsein noch vom Unterbewusstsein werden Signale ausgehen, die das Gefühl für Veränderungsnotwendigkeit und -dringlichkeit der eigenen Selbstdisziplin provozieren. Man bleibt in seiner Komfortzone und „pflegt“ das Problem weiter: Der innere Schweinehund ruht.

Erkennt die Führungskraft diesen „Ruhe-Zustand“, lehnt ihn innerlich ab, wehrt sich früh genug dagegen und zeigt den Willen und die Bereitschaft, an der Selbstdisziplin zu arbeiten und den inneren Schweinehund zu überwinden, dann haben effiziente Schritte eine Chance, verwirklicht zu werden.

Selbstdisziplin, angeboren?

In einem Unternehmen habe ich vor Jahren angeregt, dass mein Seminar „Ziel-, Zeit- und Selbstmanagement auch den Azubis anzubieten ist. Die Frage kam: Ein Teurer Management-Trainer für die AZUBIs? Meine Antwort war: Ja, warum nicht? Das ist doch die zukünftigen Leistungsträger im Unternehmen. Das Programm wurde gestartet.

In einem der Seminare diskutierten wir auch über das Thema Selbstdisziplin. Ich erinnere mich an einen damals jungen Mann (19-20 Jahre?), der folgende Äußerung machte: „Wenn ich mir etwas vornehme und es nicht umgesetzt habe, dann ist es für mich eine persönliche Niederlage“ – Wow!!

Dieser junge Mann wurde daher etwas belächelt. Als ich diese Geschichte dem Ausbilder und dem Leister der Ausbildung erzählte, sagten sie spontan: was für ein Spinner. Ich wusste, dass dieser junge Mann eine steile Karriere erklimmen würde. Ich hatte recht. Er war mit Mitte zwanzig in leitenden Positionen und später übernahm er die Position des Geschäftsführers in mehreren Unternehmen.

Das ist Selbstdisziplin pur.

Selbstkontrolle muss sein

Mangelnde Selbstdisziplin, Faulheit, Trägheit und „Aufschieberitis“ sind nicht nur negative Merkmale der eigenen Persönlichkeit, sondern auch Hindernisse auf dem Weg zum persönlichen Erfolg. Beobachten Sie sich und nehmen Sie sich wahr: Welche Situationen fordern von Ihnen die Überwindung des inneren Schweinehunds? Wann und unter welchen Umständen liegen diese Situationen vor? Stellen Sie sich die Frage: „Was wollen Sie wirklich/ überhaupt?“ Wollen Sie die Situation beibehalten oder wirklich verändern?

Gibt es eine einfache Lösung?

Identifizieren Sie die unangenehmen Tätigkeiten, die unbedingt zu erledigen sind und vor denen Sie sich fast immer drücken: Was macht sie so unangenehm?

Ist die Erledigungszeit kurz, liegt also bei etwa fünf bis zwanzig Minuten, dann erledigen Sie die Arbeiten sofort bzw. am Anfang des Tages. Beträgt die benötigte Zeit mehr als zwanzig Minuten, teilen Sie die Tätigkeit in kleine Segmente von ungefähr fünfzehn Minuten auf und führen diese schrittweise aus: Der Berg unangenehmer Tätigkeiten wird kleiner und ist zu bewältigen. Die Motivation steigt, Erfolgserlebnisse stellen sich ein und eine große Last schwindet. Albert Einstein sagte einmal: „Holzhacken ist darum so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht.“ Machen Sie sich die Erledigung unangenehmer Tätigkeiten innerhalb der ersten 22 Minuten am Anfang eines Bürotages zur Gewohnheit - wie das Zähneputzen vor dem Schlafengehen.

Fragen für die Verhaltens-Änderung

Stellen Sie sich die Frage nach dem Wert der Aufgabe/Tätigkeit, die nicht besonders angenehm ist: Welche Gefühle und Genugtuung bzw. welchen Nutzen haben Sie, wenn Sie die Tätigkeit jetzt erledigen? Zu welchen Preis - materiell oder immateriell - wird die Aufgabe oder Tätigkeit aufgeschoben oder bleibt liegen? Bedeutet dieser Zustand für Sie Stress oder Unzufriedenheit? Wie bewerten Sie diesen Zustand und wie wollen Sie damit umgehen?

Umsetzbare Ideen für die Verhaltens-Änderung

Halten Sie Ihre Tagesplanung schriftlich fest; machen Sie sich die Erledigung unangenehmer Tätigkeiten über den schriftlichen Weg bewusst. Werten Sie täglich (für die Dauer einiger Wochen und je nach Situation möglichst schriftlich) Ihre Bürotage konsequent aus: Welche Erkenntnisse gewinnen Sie aus der Tagesreflexion? Wo lauerte heute der innere Schweinehund und versuchte, Sie von Ihrem Weg abzubringen und wie können Sie demnächst Ihren Tag noch effizienter gestalten?

Machen Sie sich durch die Stärkung Ihrer Selbstdisziplin die eigenen Erfolge bewusst und belohnen Sie sich selbst, besonders nach der Erfüllung komplexer bzw. unangenehmer Aufgaben. Die subjektive Höhe der Belohnung sollte der emotionalen Wertigkeit der Aufgabe entsprechen. Setzen Sie ein nützliches Medium für Ihre Zeitplanung ein. Verdeutlichen Sie sich selbst Ihre Visionen und Ziele und fixieren Sie diese schriftlich: Sie sind die Quelle der beständigen und andauernden Selbstmotivation.

Den inneren Schweinehund bekämpfen

Die Bekämpfung des inneren Schweinehunds sollte bei Ihnen die wichtigste Aufgabe werden. Vielleicht erhalten Sie von Ihrem Umfeld entsprechende Unterstützung. Schalten Sie bei Bedarf auch die so genannte „Fremdkontrolle“ ein. Eine vertraute Person in Ihrem persönlichen oder beruflichen Umfeld könnte Sie beim Prozess der Stärkung der Selbstdisziplin und Überwindung des inneren Schweinehunds unterstützen: Sie könnte in regelmäßigen Abständen - etwa einmal in der Woche – von Ihnen Feedback über abgewickelte Ziele oder Schritte erhalten; Sie könnten ihr über die Umsetzung berichten. Ein solches Vorgehen mit einem geeigneten Partner gibt Ihnen Mut und eine echte Motivation für Ihren anstehenden Veränderungsprozess.

Pflegen Sie Gesellschaft und Kontakte zu Menschen mit starker Persönlichkeit und entsprechender Selbstdisziplin. Lernen Sie dabei konsequentes Handeln. Modellieren Sie eine Person, die Sie wegen ihrer Selbstdisziplin bewundern. Fragen Sie in Situationen, in denen Sie eigenes schwaches Verhalten erleben oder zur Bequemlichkeit und Trägheit neigen ständig und immer wieder: Wie würde diese Person bzw. mein Modell in dieser Situation vorgehen?

Zur Unterstützung der Maßnahmen ist darüber hinaus die konsequente Umsetzung eines individuellen sportlichen Programms für mindestens sechs bis zwölf Monate empfehlenswert. Betreiben Sie zweimal pro Woche - und zwar immer zur selben Zeit - eine mit Disziplin verbundene Sportart, die Ihnen aber auch Spaß und Freude bereitet. Wichtig: Das akribische Einhalten gleicher Zeiten.

Training, Training und nochmals Training

Erfolgsorientierte Menschen haben einen klaren Blick für die wichtigen Dinge im Leben und die Einstellung, dass auch schwierige Prozesse durchaus zu bewältigen sind. Durch ständiges Trainieren Ihrer Beharrlichkeit und Entschlossenheit kann Jeder zu der Gruppe erfolgsorientierter Menschen gehören, die sich durch eine starke Selbstdisziplin auszeichnet.
Denken Sie immer daran: Konsequenz ist trainierbar.

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Autor: Dr. Wafi Al-Baghdadi
PCC™-zertifizierter Business-Coach, ihr Experte für die Themen Resilienz, Zeit- und Selbstmanagement

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